Für Stahl und Beton hat sich Rene Peschek schon zu Schulzeiten begeistern können. Der diplomierte Bauingenieur ist seit 25 Jahren für uns tätig und hat als Projektleiter erfolgreich viele Projekte geleitet. Darunter auch die Sanierung des Pergamonmuseums. Im Interview erzählt er, was er aus dieser anspruchsvollen Aufgabe gelernt hat und was die Schwierigkeiten bei diesem Bauvorhaben waren.

Rene Peschek, Projektleiter der Bauarbeiten im Pergamonmuseum

Hallo, Herr Peschek, das Mamut Projekt Pergamonmuseum geht zu Ende, was haben Sie menschlich und fachlich aus diesem sehr herausfordernden Sanierungsprojekt für sich mitnehmen können?

Das Bauvorhaben war tatsächlich sehr anspruchsvoll. Es war eine gute Teamarbeit nötigt intern sowie auch mit dem Auftraggeber. Das bedarf einer Vielzahl von Abstimmungsgesprächen und eines hohen Anteils an Delegation.  Für mich persönlich hat es die Erkenntnis gebracht, dass man Vieles nicht allein bewältigen kann und auf die Teamarbeit und eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten angewiesen ist.

 

Beim Bauen im Bestand gibt es häufig Vertragsabweichungen. So gab es auch bei der Sanierung des Pergamonmuseums einiges an Nachträgen. Wie viel länger ist die Bauzeit dadurch geworden? Was genau hat die Bauzeit verzögert?

Das Bauvorhaben gliedert sich in zwei Lose, die jeweils extra beauftragt wurden. Insgesamt haben wir rund 340 Zusatzangebote erstellt. In den meisten Fällen war eine unvorhergesehen Bestandsstruktur der Auslöser für notwendige zusätzliche Leistungserbringung oder Anpassung der Bauleistungen. Die jeweils notwendigen Untersuchungen des Bestandes und die Problemfindung führten dann zwangsläufig zu einer Verzögerung.  Die ursprüngliche vertragliche Bauzeit hat sich dadurch um mehr als drei Jahre verlängert.

Was waren Gründe für die hohen Mehrkosten des Projekts?

Ein Grund war, wie gesagt Unvorhersehbarkeiten in der Bestandsstruktur. Ein weiterer Grund war, dass im Vorfeld seitens des Planers keine umfassende Erkundung des Bestandsgebäudes erfolgen konnte, da der laufende Museumsbetrieb dies verhindert hat. Insofern ist es nachvollziehbar, dass das durch ihn aufgestellte Leistungsverzeichnis lückenhaft bzw. unvollständig sein musste. Das führt bei den Bauarbeiten dann natürlich zu Mehrkosten für zusätzliche erforderliche Leistungen.

 

Bei einem so großen Projekt wie der Sanierung des Pergamonmuseums kommen viele verschiedene Menschen zusammen. Wie hat die Zusammenarbeit mit den Baubeteiligten funktioniert?

Es war von Vorteil, dass alle beteiligten eine hohe Motivation für die Umsetzung der Baumaßnahme hatten. Der hohe Koordinationsaufwand in Form von diversen Besprechungen hat natürlich auch zu zwischenmenschlichen Differenzen geführt, die immer wieder „geschlichtet“ und „aufgeklärt“ werden mussten. Zurückblickend muss ich aber sagen, dass die Zusammenarbeit aller Beteiligten sehr gut funktioniert hat.

 

Waren die Bauherren über die Jahre hinweg die gleichen Ansprechpartner oder hat es Wechsel gegeben?

Ja, auch hier hat es im Laufe der Jahre, wie auch bei uns, Änderungen bei der personellen Besetzung gegen.

 

Haben Sie vorher schon einmal ein Sanierungsprojekt geleitet?

Ja, aber in einem wesentlich geringeren Umfang. Ich konnte hier viele Erkenntnisse auch für andere Projekte erlangen.

Projektleiter Rene Peschek mit einem Teil seines Baustellen-Teams
Stahlträger wurden einzeln ins Innere des Gebäudes befördert, um dort verbaut zu werden

Die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude bedarf viel Fingerspitzengefühl. Oft weiß man im Voraus nicht, ob die geplanten Baumaßnahmen auch so eins zu eins umgesetzt werden können. Wie sind Sie bautechnisch vorgegangen, war es ein Herantasten oder ein vorsichtiges Ausprobieren?

Ausprobieren ist nicht der richtige Begriff. Herantasten trifft es eher. Natürlich gab es eine Planung des Auftraggebers die, wie bereits erläutert, aber nur rudimentär sein konnte. Bei den Bauarbeiten haben wir immer wieder Situation vorgefunden, die neu erkundet werden und für die eine Problemlösung erarbeitet werden musste.

 

Welche Überraschungen haben Sie beim Bauen erlebt?

Überraschend war insgesamt die Gründungssituation. Der tragfähige Grund lag hier wesentlich tiefer als man angenommen hatte. Die Gründung fiel aber nicht in unser Aufgabengebiet. Darüber hinaus war die Vielzahl von Lüftungsschächten, die im Rahmen der Bautätigkeit immer wieder freigelegt wurden und bei der Planung nicht berücksichtigt werden konnten, eine große Herausforderung.

 

Alte Gebäude sind ja sehr sensitiv gegenüber Erschütterungen. Deswegen kam bei den Bauarbeiten eine besondere Messtechnik zum Einsatz, die Alarm schlägt, wenn ein bestimmter Grenzwert überschritten wird. Wurde die kritische Marke je geknackt und wenn ja, was waren weiterführende Maßnahmen?

Im Wesentlichen ging es hierbei um Abbrucharbeiten.  Für viele dieser Arbeiten wurden zuvor „Probestemmungen“ ausgeführt, um den Erschütterungsgrad zu ermitteln und das Arbeitsgerät entsprechend anzupassen. Trotzdem kam es manchmal zu „Erschütterungsalarmen“, die zu einem sofortigen Baustopp und zu einer weiter Anpassung der Arbeitsmethodik geführt haben.

Beim Bau des Tempiettos gab es einiges an Nachträgen, mit welchen besonderen Herausforderungen wurden Sie und Ihr Team hier konfrontiert?

Hier waren im Wesentlichen die Stahlbaukonstruktion mit den sehr großen Spannweiten, aus geschweißten Profielen und deren Montage und Maßhaltigkeit problematisch. Durch die großen Spannweiten sind Durchbiegungen entstanden, die vorher in der Theorie nicht ermittelt werden konnten. Es handelt sich um eine einzigartige Konstruktion, die ein Zurückgreifen auf empirische Werte ausgeschlossen hat.

 

Hatten Sie jemals Angst, es könnte etwas einstürzen?

Nein. Der Umbau hat einen hohen Anspruch an die Statiker des Auftraggebers sowohl als auch an die ausführenden Unternehmen gestellt. Die Standsicherheit war aber zu keinem Zeitpunkt gefährdet.

 

Herr Peschek, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. 

Das Tempietto im Innenhof des Museums