Guten Morgen, Herr Buhlheller, Sie haben ja vor knapp vier Jahren Ihr Studium zum Bauingenieur erfolgreich abgeschlossen und somit die Komfortzone Vorlesungssaal gegen die harte Baustelle getauscht. Wenn Sie sich nochmal an diese Zeit zurückerinnern, ist Ihnen die Umstellung schwer gefallen?

Also die Umstellung vom Studentendasein zu einem Vollzeitbauleiter fiel mir natürlich anfänglich schon relativ schwer, da man bei dem Beruf  den  Arbeitstag wirklich durchweg im Einsatz ist und konzentriert und vorausschauend arbeiten muss, also im Prinzip immer voll da sein muss. Das ist, wenn man ehrlich ist, als Student nicht zwingend der Fall. Pausen zwischen den Vorlesungen, Beginn in der Uni mal um acht oder zehn Uhr.  Man gewöhnt sich jedoch echt schnell an die neue Situation, sodass nach spätestens zwei Monaten keine Umstellungsprobleme mehr zu bemerken waren.

 

Als Jungbauleiter bei der BATEG haben Sie sicherlich schon viel Neues in der Praxis gesehen und gelernt. Was hat Sie dabei am meisten überrascht, wovon Sie im Studium nichts oder weitestgehend nichts vorher gehört hatten?

Was man in der Uni hauptsächlich lernt, hat viel mit dem Berechnen, Nachweisen sowie Bestimmen von Baukörpern zutun. Heißt statische Nachweise, Bemessen von Baustoffen/Bauteilen, Kalkulation von Kosten usw. Was mir nach den ersten Wochen auf dem Bau als Bauleiter klar wurde, dass dieses Wissen in der Bauleitung nicht gebraucht wird bzw. nur einen kleinen Teil ausmacht. Der Umgang mit Arbeitern, Bauleitern von Nachunternehmern und die Bauherrnbetreuung sind wichtig. Dies kann man nur mit der Zeit auf der Baustelle erlernen. Genauso wie die zusammenhängenden Bauabläufe der einzelnen Nachunternehmer, welche Arbeiten, wann am besten ausgeführt werden, wie diese am besten bzw. nach welchen geltenden Vorgaben diese auszuführen sind, damit die Qualität auch den Standards entspricht. Dies sind alles Sachverhalte, die ich nur bedingt mal in der Uni gehört hatte oder die gar nicht erst Bestandteil des Lehrplans waren. Daher hat mich tatsächlich am meisten überrascht, dass man vieles erst auf der Baustelle lernen muss, damit der Beruf als Bauleiter oder Projektleiter auch richtig ausgeübt werden kann.

 

Sie sind ja auf BATEGs Projekt dem Schulneubau Wolfgang-Borchert-Schule, ein GU-Projekt, eingesetzt. Welche Aufgaben haben Sie auf der Baustelle genau und wie gut funktioniert die Aufgabenteilung im Team? Inwiefern werden Sie bei Ihrer Arbeit und den sicherlich noch andauernden Lernprozessen unterstützt?

Allgemein hat der Bauleiter im Großen und Ganzen drei Hauptaufgaben: Kosten, Qualität und Termine. Er muss dafür sorgen, dass die budgetierten Kosten für Bauleistungen eingehalten werden, die Qualität der ausgeführten Leistungen den vertraglich vereinbarten Konditionen entsprechen und die vereinbarten Termine für die Übergabe des Projekts eingehalten werden. Zu diesen Hauptaufgaben habe ich die Aufgabe, mich um alles zu kümmern, was außerhalb des Gebäudes passiert. Sprich die Dacharbeiten, Fassade, Fenster, Außentüren sowie Außenanlagen. Dabei sind die Aufgaben so aufgeteilt, dass mein Kollege in der Bauleitung alles weitere, was das Innere des Gebäudes betrifft, betreut. Diese Arbeitsteilung funktioniert so sehr gut. Dabei wird man auch jederzeit durch seine Kollegen unterstütz, sei es vom Polier, welcher dauerhaft auf der Baustelle aktiv ist, dem Kollegen aus der Bauleitung sowie der Projektleitung. Das wichtigste dabei ist, dass man als Team auf der Baustelle funktioniert, jeder unterstützt jeden, denn alle haben das gleiche Ziel: Den erfolgreichen Abschluss des Projekts.

 

Beschreiben Sie doch kurz einen typischen Arbeitstag bei BATEG. Sind Sie mehr im Baucontainer am Computer tätig oder mehr direkt auf der Baustelle bei den ausführenden Gewerken, um diese z. B. zu koordinieren und die Qualitäten zu prüfen?

Der typische Arbeitsalltag eines Bauleiters besteht sowohl aus der Büroarbeit im Baucontainer, als auch aus der Arbeit auf der Baustelle. Dabei überwiegt jedoch der Teil der Büroarbeit. Ein typischer Arbeitstag beginnt, ganz wichtig, mit einer Tasse Kaffee. Dabei checke ich meine Mails. Dann begehe ich die Baustelle. Dazu gehört die Kontrolle, welche Firmen da sind und sein sollten, ob die Arbeiten stimmen und die Baustelle in einem ordentlichen Zustand ist. Das wiederhole ich dann im Laufe des Tages, wenn es zeitlich am besten passt. Die restliche Zeit kontrolliere ich Pläne, koordiniere die anstehenden Arbeiten, löse Probleme in der Bauausführung, kontrolliere Rechnungen und noch vieles weitere.

 

Welches war Ihre favorisierte Fachrichtung im Studium und hatte diese Einfluss auf Ihre Berufswahl?

Die Vertiefung im Studium habe ich in Richtung Baumanagement gewählt, was mir für die Arbeit in der Bauleitung durchaus weitergeholfen hat. Bauablaufprozesse sowie baurechtliches waren dort Themen, die auch für den Arbeitsalltag in der Bauleitung sehr nützlich sind.

 

Der Bauleiter gilt ja im Allgemeinen als Generalist, der sowohl fachlich, als auch menschlich fit sein muss und immer eine Lösung parat hat. Welche drei Eigenschaften muss ein Bauleiter Ihrer Ansicht nach unbedingt haben, damit er immer den Überblick behält und sich bei ihm nicht zu viel Schweiß unter dem Bauhelm ansammelt?

Meiner Meinung nach sollte ein Bauleiter folgende drei Eigenschaften besitzen: Er sollte belastbar sein, er sollte anpassungsfähig sein und er sollte vorausschauend sowie leistungsorientiert denken können.

 

Das Bauingenieurstudium gilt als sehr anspruchsvoll mit Durchfallquoten von teils 50 %. Machen Sie anderen angehenden Jungingenieuren gerne Mut und berichten Sie, ob Sie Lineare Algebra, Analysis oder auch Fächer wie Statik, die vielen besonders schwer fallen, auf der Baustelle bisher wieder benötigt haben.

Wenn ich ehrlich bin, musste ich bisher nicht auf das umfangreiche Wissen der Linearen Algebra, Analysis sowie Statik zurückgreifen. Allerdings sind gewisse Grundkenntnisse über Tragwerkssysteme und deren Beschaffenheit bzw. das Erkennen von statischen Problemen durchaus behilflich, um Problemen vorzubeugen.

 

Was gefällt Ihnen besonders gut an der Arbeit bei BATEG? Haben Sie sich bewusst für die Arbeit im Mittelstand entschieden? Wie sind Sie auf BATEG gekommen?

Besonders gut gefällt mir bei der BATEG tatsächlich der Umgang mit den Kollegen. Alle helfen sich gegenseitig und sind superfreundlich untereinander. Also ein sehr angenehmes Arbeitsklima. Ich habe mich bewusst für die Arbeit im Mittelstand entschieden, da meiner Meinung nach in einem mittelständischen Unternehmen die Aufgabenvielfalt oder auch das Aufgabenspektrum viel größer ist als in einem Konzern. Auf die BATEG bin ich tatsächlich durch meinen Vater gekommen. Er arbeitet bei ALBA und hat sich um die Entsorgung der Baustellen gekümmert. Darüber ist der Kontakt zustande gekommen.

 

Welche zukünftigen Entwicklungen und Innovationen würden Sie sich in der Bauausführung wünschen? Erleben Sie diese Entwicklungen aktiv bei BATEG mit?

Was in der heutigen Zeit immer wichtiger wird, ist die Digitalisierung. Die Welt geht mit diesem Trend mit, genauso auch die Baubranche. Als Beispiel fällt mir hier BIM (Building Information Modeling) ein, das  im Rahmen von Bauprojekten als Planungs- und begleitendes Bautool genutzt bereits vermehrt genutzt wird. In der Hinsicht tut sich bei BATEG sehr viel und es wird  schon mit BIM zum Beispiel für unser anstehendes Projekt die „Anne-Frank-Straße“ gearbeitet.

 

Der Fachkräftemangel bleibt hoch bei hoher Arbeitsauslastung. In den nächsten 10 Jahren gehen viele Bauingenieure in Rente – haben Sie das Ziel ggf. auch eines Tages Projektleiter oder Oberbauleiter zu werden?

Definitiv habe ich das Ziel, auch die Projektleitung oder auch die Oberbauleitung zu erreichen.

 

Herr Buhlheller, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.